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  • AutorenbildAnja Harz

Zufrieden

Auch wenn der Tag nach einer solchen Nacht recht kurz und träge für den Rest des Körpers daherkommt, gibt es nichts schöneres, als nach Verlassen diverser Lokalitäten in den beginnenden Tagesanbruch zu laufen. Munteres Vogelgezwitscher, frische Sommerluft, die ein sachter Wind auf die Haut legt und eine allmählich am Horizont aufgehende Sonne, deren erster Schimmer den bevorstehenden Tag noch sanft bedeckt.

Genießend und müde auf dem Weg nach Hause denke ich an meinen Kollegen M., der mich vor einiger Zeit fragte, ob ich mit meinem Leben tatsächlich zufrieden sei, ob man das überhaupt je sagen könne. Alleinerziehend, ohne nennenswertes Hab und Gut, ehetechnisch eher im Abstiegskampf versagt, betrachte ich mein Leben gedanklich: Ich habe eine wundervolle Familie, eine gemütliche Bleibe und einen Beruf, der fordert und Spaß macht. Die Erkenntnis, dass es mehr als das innere Gefühl und die Bestrebung, sich selbst treu zu bleiben, eigentlich nicht braucht, hat zugegebener Maßen etwas mehr Zeit zum Reifen in Anspruch genommen, als (auch von elterlicher Seite sehnsüchtig) erhofft. Doch auf dem Weg dorthin gewinnt man an Kraft und Selbstvertrauen. Entscheidungen treffen sich leichter, schneller und konsequenter. Unwichtiges und Unpassendes wird gestrichen oder gelassen belächelt. Der Moment entwickelt sich zum Lebensmittelpunkt.

Und dann gibt es da noch Menschen, die schimpfen, wenn wegen SMS-Hin-und Herversenderei statt einmal Anrufens in der Frühe nach Einmalweggehabend sich die Zeit zum Schlafen für mich verkürzt. Solche, die aktiv demonstrieren, dass man mittlerweile (auch noch immer ohne Dirndl) nicht mehr wegzudenken ist und die alle Hebel in Bewegung setzen, um ein Halten und Bleiben zu bewirken. Die, die dich mitten in der Nacht noch eben in die Stadt fahren, ohne zu Zögern beim Umzug helfen, zum x-ten Mal durch die Fakultät Sport krauchen, um die richtigen Dimensionen schnell noch zu erkunden, das größte nachbarliche Herz in sich tragen oder kurz mal auf 'ne halbe Stunde zum Grillen aus Fast-Passau herfahren...

Ich habe und nehme mir mittlerweile die Zeit, die Lust und den Spaß nicht nur als Mutter (das intensiver denn je) sondern auch ganz allein für mich zu leben. Es ist die Freiheit, den Dingen und Menschen, die zu mir passen, Anteil in meinem Leben zu geben oder auch nicht. Zu genießen und zuzulassen, sowohl Freude, als auch Schmerz. Das Leben zu leben... Lernen und irgendwie allmählich das Gefühl zu haben, auf dem Weg zu sein, auf meinem Weg... Nicht eine einzige Sekunde selbstverständlich. Dankbar.

Mit all dem bin ich zufrieden und glücklich.

Die Dunkelheit weicht, die Morgenstille ebenfalls. Ein neuer Tag, neue Momente...

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