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  • AutorenbildAnja Harz

Kein Rezept

Zufrieden... Es sind einige Mails zu diesem Thema eingegangen (man darf sich beruhigt zu Kommentaren hinreißen lassen, hier ist lediglich der Nickname zu sehen, den man zu Beginn eintragen kann, mehr nicht :-)) Der Wunsch nach innerem Frieden und die Frage nach Bedeutung und Definition scheinen so viele Menschen zu bewegen.

Ich sitze zusammen mit R. auf einer Bank. Der Spielplatz um uns herum ist leer. Die riesigen Bäume spenden erfrischenden Schatten, während auch R. das Thema erneut aufgreift. Er habe den Beitrag gelesen. Ich kenne die Sorgen von R. nur zu gut. Auch die Zweifel und endlosen Fragen, die Revolte in Seele und Herz verursachen und dich nicht zur Ruhe kommen lassen. R. sucht nach Antworten: Was ist der Preis vom eigenen Leben und Neuanfängen? Findet man tatsächlich die ersehnte Zufriedenheit, das Glück? Kann man es halten? Und ob ich wohl in einem halben Jahr die Dinge noch immer derart betrachten würde?

Natürlich kann ich nur für meine Person sprechen. Auch ich habe mich früh gebunden und mir eingebildet, dass der Mensch auch mit weniger als 100% (wenn man das überhaupt so ausdrücken kann und darf) eine tolle Familie gründen kann. Um Liebe, das ausfüllende Gefühl, angekommen und halbwegs erfolgreich zu sein, jemals erreichen zu können, habe ich stets den Drang verspürt, toll, intelligent, sensibel und anders sein zu müssen. Ich habe verletzt, wurde verletzt. Habe betrogen, wurde betrogen. Habe gewonnen und verloren. Beruf, Familie, Geld, Gesundheit... Defintion von Glück ist sehr verschieden. Aber stets ist der Mensch auf der Suche. Das Größte scheint dennoch die Liebe zu bleiben. Sie ist das einzige, was einen auf niemals vergleichbare Weise das gesamte Leben begleitet. Sie beflügelt, bringt Leiden, aber Leben und ist am Ende der Grund, warum man imstande ist, loszulassen: Kinder, Geliebte, Freunde, Ehepartner. Und es ist das einzige, worauf Menschen im Angesicht von Tod und Sterben zurückblicken. Niemand denkt in diesen Momenten an ein Haus, Reisen, Streits. Nur diese eine Verbindung erfüllt das Herz, ist Trost und schafft den Sprung in die Seele... bis zum Schluss.

Vielleicht findet sich nur selten eine Bindung, die all dies ermöglicht. Vielleicht ist aber auch unsere Vorstellung von Glück zu eingefahren und festgelegt: Geld verdienen, heiraten, Kinder etc. Einmal so entschieden, muss alles so weiterlaufen. Aber jeder verändert sich. Das Leben ändert sich. Immer und überall. Nur wenige wachsen und entwickeln sich gemeinsam. Weder in die gleiche Richtung, noch zum gleichen Zeitpunkt. Man kann das hoffen, sich einreden oder die Augen vor allem vor der eigenen Veränderung und den eigenen Wünschen verschließen. Aus heutiger Sicht war dies für mich letztlich immer der Beginn zum Zwang, sich umzukrempeln, immer das Beste zu geben, sich abzulenken und zu hoffen, niemanden verletzen oder etwas ändern zu müssen. Heute weiß ich, dass ich nicht "perfekt" sein muss. Liebe ist auch nicht die Frage, was der Partner ändern muss, um einen glücklich zu machen, sondern in erster Linie die Frage, was einen selbst erfüllt und ob man sich mit all dem im anderen geistig und seelisch wiederfinden kann. Doch wie heißt es so schön von Mahatma Gandhi: "Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten!" Und überraschender Weise ist es oft wesentlich schwerer, in alten Schienen weiterzufahren, als neu anzufangen...

Ich habe sowohl die eine als auch vor gar nicht langer Zeit die andere Seite erlebt. Drum, lieber R., es gibt keine Antworten! Hör auf zu suchen, vielleicht findet sich dann, was kommen soll... Ein Lesetipp: "Der Zahir" von Paulo Coelho.

Bis Montag, gleiche Zeit, gleiche Bank :-)

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