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  • AutorenbildAnja Harz

Herzklopfen

Es schlägt so doll. Tränen. Meine Brust. Schmerzen. Es drückt, es schlägt, ganz schnell und tut so weh...


Wie viel kann Dein kleines Herz ertragen?


Ich warte. Seit Tagen. Aber du kommst nicht. Wo bist du? Ich muss dir so viel erzählen. Mein Bild, das ich heute gemalt habe. Die Vögel darauf sehen schon ganz prima aus. Ein neues Lied kann ich auch. Ich schaue zur Tür. Bald gibt es Abendbrot. Bestimmt dauert es nicht mehr lange. Dann hängst du deine Jacke an den Haken. Rufst nach mir. Ich verstecke mich, wie jeden Tag, hinter dem großen Sessel, auf dem wir jeden Abend vor dem Schlafengehen toben. Du suchst mich. Und du findest mich. Deine Arme greifen zu und kuscheln mich ein. Ich bin bei dir ganz sicher. Aber ich höre keinen Schlüssel im Schloss. Heute nicht. Und morgen nicht.


Wie kann ich diesen Verlust nur von Dir nehmen?


Sie hält mich ganz fest. Sie sagt, dass du nicht mehr kommen willst. Warum? Warum nicht? Du kannst mich doch gar nicht finden, wenn ich wieder auf dich warte?! Ich darf dich nicht alleine lassen! Dann bist du doch traurig, wenn ich nicht bei dir bin. Aber warum willst du nicht? Du hast mich doch lieb.


All die Narben in Deiner Seele. Die Fragen ohne Antworten, was Deine Liebe nicht versteht.


Sie erklärt es mir. Ich höre sie. Aber dich nicht. Du hast nun eine neue Freundin. Und bald ein eigenes Kind. Es ist nicht genug Platz für uns alle. Das wäre nicht schlimm, dass so etwas immer passieren kann. Ich darf traurig sein. Aber du hast doch mich?! Warst du böse wegen mir? Ich kann alles bestimmt viel besser machen!


"Wissen Sie, das Schlimmste sind nicht die Trennungen. Sondern der Umgang mit ihnen. Angst vor Gefühlen, neuen Schritten, Scham. Deshalb belügen wir: uns, Familie, Partner. Kinder stellen sich den Tatsachen viel mutiger. Aber wir lassen sie in Traumwelten und ohne aufrichtige Antworten viel mehr im Stich, als wir ahnen..."Warum weinst Du nicht?


Du hast dich nicht verabschiedet. Warum? Du erklärst es mir nicht. Warum? Ich sehe dich nie wieder.


Es ist schon so lange her. Noch immer steht Dein Leben Kopf. Du suchst nach Liebe. Und wehrst Dich gleichzeitig dagegen mit allem, was Worte und Taten aus Deinem kleinen Körper hervorbringen. Meine Liebe hast Du und greifst nach ihr, wie nach einem Rettungsring in stürmischer See. Ich habe Dich nie belogen.


Es drückt so doll. In der Mitte. Ich kann nicht aufhören mit Weinen. Die Medikamente sind Schuld. Mein Herz schlägt so doll. Mama, es tut so weh.


Notaufnahme. Schlage weiter! Ich bin bei Dir. So viele Tränen, lange ungeweint. Deine zarte Hand, die manchmal schon so stark ist. Schlage langsam, kleines Herz! Ich habe Angst, aber ich stehe neben Dir, so lange es mein Leben zulässt. Es ist Nacht. Schnell wird ein Arzt gerufen. Deine Blicke suchen mich. Und finden. Ich sehe in Deine Augen und weiß, dass sich Deine lang gesuchten Puzzleteile allmählich einfinden. Jetzt bin ich ganz sicher, dass du irgendwann verstehen wirst, dass man ein Recht auf Glück hat, so schwer der Weg auch ist. Dass Du jede Verletzung und Enttäuschung überstehen und verstehen wirst. Weil Du stark genug sein wirst, Wahrheiten zu erkennen, zu ertragen und sich ihnen zu stellen. Weil Du begreifst, dass es nicht ausreicht und nicht fair ist, nur ein bestimmter Teil zu sein, sondern es Menschen gibt, für die Du alles bist. Und denen Du das Gleiche entgegenbringen kannst. Dass Hinhalten, Ausweichen und Weglaufen ohne ein einziges Wort und Begründung, denen, die zurückbleiben, eine unerträgliche Last auferlegt zwischen Hoffen, Verzweifeln und nicht Aufgeben wollen. Weil Unehrlichkeit, so winzig sie auch sein mag, niemals ein dauerhaftes Fundament sein kann und das ist, was tatsächlich verletzt. Wir werden vielleicht manchmal einsamer und trauriger sein als andere. Doch der Mut zur Wahrheit bringt uns ungeahnte Dinge in unser Leben, die ohne ihn an einer zurechtgedachten und- geredeten Welt vorbeiziehen, ohne den man wertvolle Zeit verschwendet und sich und andere um das Gefühl des eigenen Lebens betrügt. Nur dadurch wirst Du schneller verarbeiten, lernen und gewinnen. Glück, das, von Dir gelebt, auch nur so an andere weitergegeben werden kann. Und Du wirst wissen, dass es nicht darauf ankommt, was man tut, sondern wie... Auch wenn ich nicht ewig mit und neben Dir werde gehen können, weiß Dein Herz, dass Dich meine Liebe immer auf Deinen Wegen begleiten wird und Dein Verstand und Deine Stärke zeigen Dir, dass Du diese Wege ganz allein gehen kannst!

Nimm meine Hand noch ein Stück!

Langsamer, es schlägt, allmählich ruhiger...

 

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