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  • AutorenbildAnja Harz

Felsige Wege

Ausflüge sind toll. Von Land, Berg, See, Kleinstadt, Großstadt, von Grashalm zu Grashalm im eigenen Garten... Egal. Und ist man unterwegs, so braucht es nur ein bisschen Ruhe und Geduld, und die Wunder der Natur ereignen sich direkt vorm eigenen Auge. Sie stehen vor dir, leibhaftig, zum Anfassen echt. In diesem Fall in Wanderschuhen, Tennissocken, Shorts, rotem T-Shirt und einer weißen Kopfbedeckung, deren Aufmachung als irgend etwas zwischen Kinder- und Safarihut auszumachen und mit einem Gummiband unterm Kinn befestigt ist. Das Naturexemplar ist männlich und geschätzte vierzig Jahre jung. Es steht vor einer Kinderkletterbergwand und schaut verbissen. Ich schaue auch und überlege, was wohl tolles an der ca. 3m hohen Wand aus Stein dran ist. Ob er seine Kinder betrachtet? Nö, die hängen weit abseits und versuchen sich als Jane und Jane, Tarzan war aus. Sieht er Tierarten, die ich wegen Unkenntnis nicht entdecken kann? Angestrengt starrt der Mann weiter, kein Lächeln, totaler Ernst. Kurz befürchte ich den Supergau. Doch dann bewegt er sich auf die Wand zu, ganz langsam, Schritt für Schritt und bleibt kurz davor stehen. Er hebt seine Hände und legt beide vor sich an die Wand. Ob ich ihm zurufe, dass ich Tausend Euro verwette, dass er den Kletterfelsen nicht bewegen kann? Doch dann beginnt er... Zu klettern! Wie gebannt, noch immer voller Ernst, versucht der geschätzte 1,90m Mann, den Berggipfel zu erklimmen. Ein Bild für die Götter und den Rest der Menschheit, der sich lächelnd dazugesellt. Eine nahe stehende Frau kann sich ein: "Was is das denn?" nicht verkneifen. Und auch die noch kleinen Menschen bekommen Interesse und stellen sich zum Zusehen dazu. Das Kletterphänomen schafft nicht einmal die Hälfte und kommt wieder herunter. Er scheint uns Zuschauer nicht einmal zu registrieren oder ignoriert die Nichtachtung sportlicher Höchstleistung gekonnt. Noch einmal studiert er mögliche Wege ohne Lächeln. Dann wagt er es ein weiteres Mal, scheitert wieder und klettert herab. Plötzlich schiebt sich ein Junge genau vor ihn und zeigt ihm kletternd und beinahe mühelos den Weg an die Spitze. Das Gesicht des Mannes wird lang und länger. Das Verständnis dagegen kürzer. Enttäuscht tritt er zurück. Tja, Nachwuchs kann scheiße ehrlich sein...

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