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  • AutorenbildAnja Harz

Das Letzte

Wenn man sich nach über 15 gemeinsamen Jahren und zwei Kindern entschließt, sich zu trennen, sind diesem Ereignis meistens einige Versuche, Diskussionen oder gar fremde Kontakte mit oder ohne Liebe vorangegangen. Häufig möchte am Ende jedoch nur ein Teil der Partner ein neues Leben wagen. Die Aussage eines Mannes, "Ich habe Angst, meine Kinder zu verlieren...", hielt ich bis dato zugegeben eher für eine Ausflucht, einen derartigen Schritt nicht gehen zu müssen. Für diese doch sehr einfältige Betrachtungsweise entschuldige ich mich hiermit aufrichtig! Denn in bekanntem Fall geht es um einen mehr als fürsorglichen Vater, dessen tiefe Liebe zu Sohn und Tochter anrührt. Ehrlich und konsequent. Etwas leider nicht Selbstverständliches. Etwas, das man sich als Mutter nur wünschen kann. Wenn nun also so ein Mensch seine Frau nach zahlreichen schlaflosen Nächten und schweren Herzens um die Trennung bittet, ist klar, dass dies in den seltensten Fällen zu Jubelgeschrei und Halligalli führt. Wut und Hilflosigkeit, ja gar Panik sind mehr als verständlich und stehen jedem Zurückgelassenwerdenden für eine Weile zu. Doch rechnet man tatsächlich mit einem solchen Satz: "Wenn Du gehst, dann nehme ich Dir die Kinder weg!"? Ich bin entsetzt. Der moralische Aspekt dieser Aussage ist absolut in der untersten Schublade anzusiedeln. Emotionale Erpressbarkeit als letztes Mittel, einen Menschen zu halten? Noch immer ungläubig, entdecke ich eine Studie einer bekannten Zeitschrift, aus der hervorgeht, dass über 70% der Frauen lieber stillschweigend oder mit aller Gewalt ertragen, was längst nicht mehr zu halten ist. Aus dem einzigen Grund der Sicherheit! Bin ich naiv? Was ist das für ein Leben? Nicht nur, dass man im Trennungsfall seinen Kindern einen unglaublich wichtigen Teil entzieht. Aber mit derartigen Aussagen bringt man sich allenfalls um die letzte Möglichkeit, mit Respekt einen normalen Umgang zu schaffen, aus dem sich nach gewisser Zeit tiefe Freundschaft oder gar verloren geglaubte Liebe entwickeln kann. Und die eigene Persönlichkeit? Zwar ist ein neuer Weg allein zunächst schmerzlich und zeigt, wie abhängig der eigene Part vom anderen war und dass meist das Ich-selbst-Sein verloren ging. Doch es gibt nur wenige, die nicht erstaunt sind, wie positiv sich meistens beider Ex-Partner Leben verändert. Erfahrungen, Erkenntnisse, neue, andere, manchmal alte Liebe, Wünsche und Ziele, die einem früher fremd waren, werden plötzlich zur Erfüllung und öffnen Blickwinkel, die Entwicklung und Glück zulassen. Es erscheint als Widerspruch, doch trotz aller Schwierigkeiten ist ein neuer Weg oft am Ende ein leichterer. Und möchte man, egal ob Mann oder Frau, sein Leben mit einem Menschen verbringen, für den man einfach nicht der oder die Richtige ist? So läuft das Leben nun einmal. Wenn etwas nicht ausreicht, und sei es noch so minimal, wird man immer wieder danach suchen. Dann hilft weder Zwang noch Wut auf den anderen. Nur die Ehrlichkeit, Liebe und der Mut, den anderen gehen zu lassen...

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